Angst - eine Seelenschamanische Sichtweise

October 10, 2026

Ängste sind eine unverzichtbare Grundausstattung unseres funktionierenden Selbsterhaltungstriebs. Angst erfüllt eine wichtige Funktion als Schutz- und Überlebensmechanismus, der unsere Sinne schärft, körperliche Kräfte mobilisiert und in tatsächlichen oder vermeintlichen Gefahrensituationen eine angemessene Reaktion ermöglicht.

Deine Erfahrungen halten wertvolle Hinweise darauf bereit, in welchen Situationen du dich rückblickend angemessen verhalten hast. Sie geben dir auch die Chance, Situationen zu erkennen, in denen du zu kritisch warst oder sogar überreagiert hast.

Vielleicht hat sich dein kritisches Verhalten wiederholt und du erkennst ein Muster, das deine persönliche Weiterentwicklung beeinträchtigt, anstatt dich vor Gefahren zu schützen.

Der Ursprung unserer Ängste

Grundsätzlich können Ängste tief in unserem Unterbewusstsein verankert sein.

Aus schamanischer Sicht stehen sie mit dem sogenannten «Vertrautheitsgedächtnis» in Verbindung, das die gegenwärtige Inkarnation umfasst. Sie beeinflussen unsere Entscheidungen und damit die Gestaltung unseres Lebens auf erhebliche Weise.

Nach dieser spirituellen Vorstellung können solche Prägungen bereits mit den Gedanken und Gefühlen unserer Eltern während der Zeugung beginnen, durch die Gefühle unserer Mutter während der Schwangerschaft beeinflusst werden und sich durch unsere Erfahrungen mit Eltern oder anderen Bezugspersonen in den ersten sieben Lebensjahren weiterentwickeln.

Weitere Einflüsse werden aus schamanischer Sicht dem «schattenhaften Unterbewusstsein» vorhergehender Inkarnationen sowie dem sogenannten «Zellgedächtnis» zugeschrieben, das zwölf weitere frühere Inkarnationen einschliessen soll.

Diese spirituellen Konzepte sind von der wissenschaftlichen Psychologie zu unterscheiden. Die analytische Psychologie von Carl Gustav Jung beschäftigt sich ebenfalls mit dem Unbewussten, verwendet dafür jedoch eigene psychologische Konzepte.

Ängste sind Gefühlsregungen, die unserem Schutz dienen, aber auch Unsicherheit auslösen können.

Wesentlich erscheint mir, sich dieser Unsicherheiten bewusst zu werden und sich mit den energetischen Blockaden auseinanderzusetzen, die aus schamanischer Sicht mit diesen Ängsten verbunden sein können.

So schaffst du dir die Möglichkeit, nicht mehr automatisch auf Lebenssituationen mit denselben ängstlichen Gefühlsregungen zu reagieren.

Die vier Grundängste

Es gibt grundlegende Formen der Angst, die dir sicher bekannt sind.

1. Angst vor Veränderungen

Die Angst vor Veränderungen deiner Geisteshaltung, deiner Beziehung zu dir selbst, zu Familienangehörigen oder zu deinem Partner sowie vor Veränderungen des Arbeitgebers, des Wohnorts oder des Berufs.

2. Angst vor Endgültigkeit

Die Angst vor der eigenen Endlichkeit, dem Verlust des Lebenspartners oder von Menschen aus deinem Umfeld.

3. Angst vor Nähe

Die Angst vor Nähe zu dir selbst, zu anderen Menschen oder vor Menschen, die deine Nähe gerne erfahren möchten.

4. Angst vor Selbstwerdung

Die Angst davor, unabhängig zu sein, deine Talente zu nutzen oder deine Herzenswünsche zu verwirklichen.

Wie erkennst du deine Ängste im Alltag?

Du kannst sie entdecken, indem du dir Fragen stellst wie:

  • Was ist, wenn ich …?
  • Was denken die anderen, falls ich …?
  • Wozu sollte ich …?

Solche Gedanken können dich dazu verleiten, Ängste als festen Bestandteil deines Lebens, vielleicht sogar als dein Schicksal oder als eine unveränderliche Charaktereigenschaft zu betrachten.

Sie können dir aber auch als Chance dienen, deine innere Stimme, dein inneres ICH, auch als Bauchgefühl bekannt, stärker wahrzunehmen.

Mit Neugierde, Mut und kreativem Willen kannst du einen neuen Weg einschlagen und deine Entscheidungen nicht ausschliesslich mit dem Intellekt, sondern auch anhand neuer Erfahrungen überprüfen.

Erscheinungsformen der Angst

Eine weitere Möglichkeit, dir deiner Ängste bewusst zu werden, besteht darin, ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen in deinem Alltag zu erkennen.

Unsicherheiten

Beklommenheit, Unbehagen, Scheu und Zaghaftigkeit.

Furchtformen

Verletzungsfurcht, Versagensfurcht und Berührungsfurcht.

Zwänge

Beispielsweise Esszwang, Kontrollzwang oder Reinigungszwang.

Panikattacken

Plötzlich auftretende intensive Angstzustände, die unter anderem mit einem Gefühl der Hilflosigkeit oder Erstarrung verbunden sein können.

Psychotische Symptome

Beispielsweise Verfolgungsvorstellungen oder ausgeprägte Veränderungen der Realitätswahrnehmung. Diese sind medizinisch von gewöhnlichen Angstreaktionen zu unterscheiden.

Phobien

Ausgeprägte Ängste vor bestimmten Dingen oder Situationen, beispielsweise vor Spinnen, Höhen, Höhlen oder sozialen Situationen.

Bei sozialen Ängsten kann die Befürchtung im Vordergrund stehen, von anderen als merkwürdig, peinlich oder gar lächerlich wahrgenommen zu werden.

Sichtbare Zeichen der Angst können Erröten, Zittern, Schwitzen oder Weinen sein.

Diese unterschiedlichen Erscheinungsformen können dein Handeln und dein Wohlbefinden beeinflussen.

Wenn Ängste deinen Alltag erheblich beeinträchtigen, können psychologische oder medizinische Fachpersonen dich dabei unterstützen, ihre Ursachen besser zu verstehen und geeignete Wege im Umgang damit zu finden.

Verborgene Ängste und energetische Blockaden

Es gibt auch Ängste, die durch ihr subtiles Wirken deine Entscheidungen beeinflussen, ohne dass du sie bewusst als Ängste wahrnimmst.

Sie können dich zu der Annahme verleiten, dass du deine Entscheidungen vollkommen bewusst getroffen hast und dein Handeln «normal» ist – dass es eben so ist, wie es ist.

Aus schamanischer Sicht können Ängste mit Erfahrungen verbunden sein, an die du dich nicht mehr erinnern kannst. Nach dieser Vorstellung können solche Erfahrungen energetische Blockaden hinterlassen, die bislang nicht aufgelöst wurden.

Zwei Beispiele, die in der schamanischen Deutung mit Erfahrungen aus vorhergehenden Inkarnationen in Verbindung gebracht werden:

  • Das Vermeiden eines öffentlichen Platzes: Eine Person vermeidet es, eine Piazza oder einen bekannten Dorfplatz direkt zu überqueren. Stattdessen bevorzugt sie den Weg entlang des Randes, um auf die andere Seite zu gelangen.
  • Das ständige Tragen eines Schals: Eine Person trägt zu jeder Jahreszeit einen Schal, unabhängig von den herrschenden Temperaturen und Wetterbedingungen.

Aus schamanischer Sicht können solche Verhaltensweisen symbolisch mit früheren Erfahrungen verbunden werden. Sie sind für sich genommen jedoch kein Nachweis für frühere Inkarnationen oder energetische Blockaden.

Acht typische Verhaltensmuster im Umgang mit Angst

Neben den Grundängsten und ihren Erscheinungsformen kannst du dir deiner Ängste auch bewusst werden, indem du dein Verhalten in bestimmten Situationen beobachtest.

Achte insbesondere auf Situationen, die einen Fluchtreflex, eine Angriffshaltung, eine Überhöhung oder eine Verharmlosung auslösen.

Vielleicht erkennst du dabei eine der folgenden acht Einstellungstendenzen wieder.

1. Vermeidungsverhalten

Du versuchst, angstauslösenden Ereignissen, Räumen oder Personen möglichst auszuweichen.

2. Bagatellisierungsverhalten

Du bist bestrebt, als peinlich empfundene Angstgefühle vor dir selbst und anderen herunterzuspielen.

3. Verdrängungsverhalten

Du versuchst, hinderliche Angstgefühle zu unterdrücken oder beiseitezuschieben.

4. Leugnungsverhalten

Du blendest Anzeichen von Angst aus deinem Bewusstsein aus oder versteckst die als Schwäche empfundenen Angstgefühle vor anderen.

5. Übertreibungsverhalten

Du wiederholst oder übertreibst Sicherheitsvorkehrungen, um deine angespannte Gefühlslage zu beruhigen.

6. Generalisierungsverhalten

Du ordnest Ängste als «normale» Erscheinung ein, um dich aus einer erlebten Sonderstellung zu befreien.

Nach dem Motto: «Jeder hat doch Angst.»

7. Bewältigungsverhalten

Du bemühst dich um einen realitätsgerechten Umgang mit deiner Angst und versuchst, zwischen tatsächlichen Gefahren und übermässigen Befürchtungen zu unterscheiden.

8. Heroisierungsverhalten

Du nimmst die emotionale Befindlichkeit der Angst bewusst an, suchst sie möglicherweise sogar und empfindest dabei ein gewisses Heldentum.

Körperliche und psychische Symptome der Angst

Zum Abschluss möchte ich auf mögliche körperliche und psychische Folgen von Angst hinweisen.

Unser Körper kann uns durch unterschiedliche Reaktionen signalisieren, dass wir unter Anspannung stehen oder Angst empfinden.

Typische Symptome können sein:

  • Herzrasen: Zittern, Schwitzen oder Erröten.
  • Atembeschwerden: Atemnot, Beklemmungsgefühle in der Brust oder Schwindel.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit oder Erbrechen.
  • Psychische Symptome: Gefühle des Kontrollverlusts oder Schlafstörungen.
  • Muskelverspannungen: Beispielsweise im unteren Rücken- oder Kreuzbeinbereich.
  • Kalte Hände und Füsse: Unabhängig von der Wetterlage oder Umgebungstemperatur.

Diese Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und sind nicht automatisch auf Angst zurückzuführen. Insbesondere neu auftretende, starke oder anhaltende Symptome sollten medizinisch abgeklärt werden.

Ängste bewusst erkennen und verstehen

Mit den beschriebenen Aspekten zu den Grundängsten, den Erscheinungsformen der Angst, den persönlichen Einstellungstendenzen und den körperlichen Symptomen möchte ich dir verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, deine Ängste bewusster wahrzunehmen.

Sie können dich dabei unterstützen, die Wirkung deiner Ängste auf dein Leben besser nachzuvollziehen und wiederkehrende Verhaltensmuster zu erkennen.

Du kannst sie auch als einen Teil deiner Geheimnisse verstehen, im Sinne eines Carl Gustav Jung zugeschriebenen Zitats:

«Nicht wir haben Geheimnisse, die wirklichen Geheimnisse haben uns.»

Ängste aus schamanischer Sicht auflösen

Für Seelenschamanen ist es wesentlich, Ängste als solche wahrzunehmen, sich mit ihren Auswirkungen als energetische Blockaden auseinanderzusetzen und an deren Auflösung zu arbeiten.

Nach schamanischer Vorstellung können solche Blockaden mit Erfahrungen verbunden sein, die tief in unserem Wesen gespeichert sind – unabhängig davon, in welcher Inkarnation die Erlebnisse stattgefunden haben sollen.

Ihre Auflösung beginnt mit deiner bewussten Entscheidung, dich mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen, und dem tiefen Wunsch nach Veränderung.

Ich kann dir diesen Weg aus eigener Erfahrung empfehlen, denn die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten kann als sehr erleichternd empfunden werden.

Sie kann dir helfen, dich von belastenden Gefühlsregungen zu lösen und einen neuen inneren Frieden zu erfahren.

Dieser innere Frieden kann dich wiederum inspirieren, deinen Fokus auf die Dinge zu richten, die dich wahrhaftig interessieren, und neue Erfahrungen mit Offenheit und Zuversicht anzunehmen.

In diesem Sinne wünsche ich dir Mut zu neuen Erfahrungen in deinem Leben.

Herzlichst

Joachim Pfautsch

‍